Weihnachtsbotschaft des Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus' KIRILL - Das Patriarchalexarchat von Afrika
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Weihnachtsbotschaft des Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus‘ KIRILL

Weihnachtsbotschaft des Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus‘ KIRILL

an die Oberhirten, Hirten, Diakone, Mönche und Nonnen 

und alle treuen Kinder 

der Russischen Orthodoxen Kirche

Im HERRN geliebte Oberhirten, 

hochwürdige Priester und Diakone, gottliebende Mönche und Nonnen, 

liebe Brüder und Schwestern!

        Heute, da die himmlische und die irdische Kirche in gemeinsamer Einheit den Menschgewordenen Gott preist, gratuliere ich herzlich euch allen zum großen und lichthellen Fest der Geburt unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi.

        Heute richten wir erneut unsere geistigen Augen auf die Ereignisse, die vor mehr als zweitausend Jahren in Bethlehem erfolgten. Wir schauen auf das sanftmütige Kind, das in der Krippe liegt, umgegeben von der Allreinen Mutter, dem gerechten Josef und den Hirten, denen als ersten die Nachricht über das Kommen des Heilands auf die Erde verkündet wurde und wir sprechen wie die Körperlosen Kräfte, die den Höchsten Schöpfer verherrlichen, der durch seinen Einziggeborenen Sohn Frieden und Wohlgefallen den Menschen schenkte.

         Der hl. Gregor von Nazianz bezeugte, indem er das Wesen dieses Festes darlegte: Das ist unsere Feier – das Kommen Gottes zum Menschen, damit wir zu Gott zurückkehren können (Homilie 38). Heute ist uns wahrhaftig das Himmlische Reich nahe herbeigekommen (Mt 3, 2): in Erfüllung der alten Prophezeiungen ist auf die Erde der lang erwartete Friedensstifter (Gen 49, 10) gekommen, ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und Er heißt starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens (Jes 9, 6). 

„Frieden lasse Ich euch, meinen Frieden gebe Ich euch“ (Joh 14, 27) – wendet sich Christus an uns. Was heißt dieser Frieden, den der Herr dem Menschen schenkte und den die Engel im Moment der Geburt des Heilands priesen? Haben seitdem Feindschaft oder Konflikte auf der Erde abgenommen? Von überallher hören wir „Friede, Friede!“, und es ist doch nicht Friede, dem Wort des Propheten nach (Jer 8, 11). Doch der wahre Friede Gottes, der auf die Erde mit der Geburt Christi herabgekommen ist, ist höher als alle Vernunft (Phil 4, 7). Er hängt nicht von äußerlichen Umständen ab und ist von Leiden und Entbehrungen des zeitlichen Lebens unabhängig. Dieser unbezwingbare innere Friede ist in Gott selbst eingeschlossen, der, indem Er zum Menschen – zu dem uns in allem außer der Sünde gleich – geworden war, handelt nicht einfach nur in unserer Geschichte, sondern ist in ihr sichtbar anwesend. Nun ward das Wort Fleisch und wohnt unter uns, voller Gnade und Wahrheit (Joh 1, 14). Der Herr ist nah, meine Lieben, lasst uns das nie vergessen – und wir werden nicht verzagen! In Ihm ist unsere Kraft, unsere starke Hoffnung und geistige Tröstung in allen Lebensumständen. 

Indem wir uns vor der demütigen Erhabenheit des Wunders der Menschwerdung beugen und den in die Welt gekommenen Erlöser preisen, können wir nicht gleichzeitig wegen der heute geschehenden Kriegsereignisse verzweifeln, die die heilige Weihnachtsfeier überschatten, denn, wie der Apostel anmerkt, wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit (1 Kor 12, 26). In diesen Prüfungen, die die Völker der historischen Rus‘ befielen, ist es für uns besonders wichtig, durch die Tat die Treue zu unserer christlichen Berufung zu bekräftigen und einander Liebe zu erweisen. Uns scheint es manchmal, dass das Gute schwach und wehrlos ist und ganz wenig von unseren Anstrengungen abhängt. Dennoch ist es nicht so.

Es gibt ein unumstößliches geistliches Prinzip: die Liebe nimmt zu, wenn wir uns anderen hingeben, wenn wir dem Nächsten unsere Zeit opfern, ihm mit materiellen Mitteln helfen oder ihm schlicht unsere Aufmerksamkeit schenken. Dann verwandeln wir nicht nur die uns umgebende Welt, sondern erwerben etwas sehr Wertvolles in uns selbst. In diesem nicht komplizierten, aber wirksamen geistlichen Gesetz ist eingeschlossen das Geheimnis des wahren Friedens und des wahren Glückes, nach dem jeder Menschen strebt. Dieses Glück ist nicht in weiter Ferne zu suchen, wie etliche Leute meinen, die den Illusionen materieller Güter und eines sorglosen Lebens nachjagen. Das wahre Glück besteht darin, dass wir Liebe und Freude mit unserer Umgebung teilen und durch gute Werke Gott loben, der dafür Mensch geworden ist, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10, 10). Wenn wir Christus ins Herz hereinlassen und Ihm erlauben, in uns zu handeln, herrscht in unseren Seelen der gesegnete Friede und Ruhe (Mt 11, 29), und wir werden teilhaftig des Königtums Gottesdas mitten unter uns ist (Lk 17, 21). 

Wollen wir den Geborenen Herrn umarmen? Dann lasst uns den Trauernden umarmen und den Leidenden trösten. Wollen wir Christus berühren und, den Weisen aus dem Orient ähnlich, dem Gotteskind genehme Gaben darbringen? Dann lasst uns unsere Liebe und Fürsorge den Nächsten schenken, dem Bedürftigen nach Kräften Erbarmen erweisen, den Verzagenden unterstützen. „Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25, 40) – bezeugt der Heiland.

 „Die Weihnachtsnacht bringt Frieden und Stille dem Weltall!“ – ruft der ehrwürdige Ephraim der Syrer aus und setzt freimütig fort: „Diese Nacht gehört dem Sanftmütigen, deshalb möge jeder Wut und Strenge ablegen. Nun ist der Gnadentag erstrahlt, möge niemand mit Rache die ihm zugefügte Kränkung erwidern. Der Freudentag ist da, möge niemand zur Ursache der Trauer und des Kummers für den Anderen werden“ (Weihnachtshymnen, I). 

Lasst uns diesen erstaunlichen Worten des „syrischen Propheten der Wüste“ zuhören und die Herzen dem unseretwegen menschgewordenen Herrn öffnen. Lasst uns uns freuen, denn der König und Herrscher des Weltalls ist selbst sanftmütig auf die Erde gekommen, um uns die Rettung und das ewige Leben zu schenken. Und wir, indem wir mit Dankbarkeit die große Liebe des Schöpfers zu den Menschen erwidern, lasst uns unsere Seelen mit geduldigem Ertragen der Prüfungen heiligen, mit innigem Gebet und mit guten Werken zur Ehre Gottes.

Indem ich euch, meine Lieben, noch einmal zum hellen Fest der Geburt Christi gratuliere, wünsche ich euren Häusern und Familien unvergängliche Freude und Wohlergehen, Stärkung der Kräfte und reichliche Hilfe vom  Gotteskind Jesus. Möge der Menschenliebende Schöpfer, der Wahre Herr der Geschichte sein Erbarmen auf die Völker der Heiligen Rus‘ herabsenden und  uns alle mit Frieden segnen, damit wir mit einem Mund und mit einem Herzen den Menschgewordenen Erlöser preisen und glaubhaft bezeugen, dass Gott mit uns ist!

PATRIARCH VON MOSKAU UND DER GANZEN RUS‘

           Weihnachten 

   2022/2023

     Moskau

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